Über mich - das fachliche Umfeld.
Mein erster Kontakt mit der historischen Stahlherstellung.
Meine erste Begegnung mit der historischen Stahlherstellung, war ein Kinderlexikon, in dem die Stahlherstellung der Kelten aus Eisenerzen im Rennofen als Zeichnung erklärt wurde. Später sah ich eine Fernsehdokumentation über japanische Schwertschmiede, die auch die Stahlherstellung aus Eisenerzen im Rennofen bis zur fertigen Klinge zeigte. Für mich war es das identische Handwerk, um aus einem Stein ein Kunstwerk zu schaffen. Das ist es, was mich bereits seit meiner Jugend fasziniert.
Meine ersten Schmiedeversuche, das Praktikum bei Manfred Sachse.
Jahre später habe ich vom „Damaszenerstahl“ gehört, und dass man Industriestahl auch feuerverschweissen kann. Meine erste Feuerverschweissung habe ich etwa mit 16 Jahren durchgeführt, hat auf Anhieb geklappt. Während meiner Lehre als Elektriker hatte ich mir eine kleine „Schmiede“ eingerichtet und weiter experimentiert. Durch seine Beiträge im „Waffenjournal“ wurde ich auf Manfred Sachse aufmerksam, der damals im deutschsprachigen Raum der einzige professionelle „Damaszenerstahl“- Schmied war. Nach der Lehre konnte ich in der Schmiede von M. Sachse ein halbjähriges Praktikum absolvieren. Sachse war damals Anlaufstelle für alle: Schmiede, Archäologen, Sammler, Reenactment und Kampfsportler. In der Zeit habe ich viel gelernt und einen Einblick bekommen.




Meine Erfahrungen in dieser Zeit.
Für mich war diese Zeit eher ernüchternd. Am Damaszenerstahl, dem Verbund aus Industriestahl, war ich eigentlich nie wirklich interessiert. Für mich war es ein erreichbarer Anfang. Mein Ziel war die Stahlherstellung aus Eisenerzen. Das historische Handwerk unserer Vorfahren, welches schon immer in allen Geschichtsbüchern klar definiert war. Die Geschichte verlief bei Sachse aber in eine andere Richtung. Eisenerze und Rennofen wurden thematisiert, das Handwerk war aber das Verschweissen ausschliesslich von modernen, fertigen Industriestählen. Alle verlangten damals nach dieser grosszügigen, einfachen Maserung und dem einfachen Handwerk. Die Hart- und Weichschichten hat damals Sachse selbst als „nicht historisch europäisch“ definiert. Ich hatte die Fachgespräche Gespräche damals mit Manfred Sachse. Er meinte einmal dazu:“ Ich kann nichts anderes, die Leute haben sowieso keine Ahnung, es ist eine Riesen- Chance, ich wäre dumm, wenn ich sie nicht nutzen würde.“ Und so verbreitete sich der einfach herzustellende Verbund aus Industriestahl als historische europäische Stahlherstellung. Sachse war auch Restaurator. Er wusste, dass historische europäische Stähle nicht wie der „Damaszenerstahl“ aussehen. M. Sachse aber auch K.H. Denig haben damals das Startsignal für ein absolut falsches historisches Handwerk gesetzt.
Wie es weiterging
In der Folge verbreitete sich das einfache Schmiedehandwerk sehr schnell. Die Feuerverschweissung wurde zum Beweis als historisch. „Ein schwieriges, sagenumwobenes Handwerk, dass angeblich nur wenige beherrschen.“ Die ganze „Damaszenerstahl- Geschichte“ ist nicht intelligent, wurde aber über Jahrzehnte hinweg vehement verteidigt. Seit meinem Praktikum bei Sachse habe ich mich bemüht, die historische, europäische Stahlherstellung richtigzustellen. Über Jahrzehnte hinweg war das absolut erfolglos. Es hat mir einen Riesenärger eingebracht. Weil der Damaszenerstahl unkompliziert ist, ist es eine einfache Möglichkeit, dass wirklich jedermann sich einbringen kann. In Europa hat dieser Fachbereich einen sehr geringen wissenschaftlichen Stellenwert. Vor dem grundsätzlich gleichen japanischen Fachbereich hatte man grossen Respekt (viel zu schwierig), wenn es aber um das identische, vermutlich weit schwierigere europäische Handwerk geht, da ist jeder ein grosser Experte. Selbst wer noch nie ein Handwerk ausgeübt hat, kann innerhalb kürzester Zeit, Messer aus Damaszenerstahl herstellen und ein „Experte“ sein.
Meine ersten grösseren Publikationen.
Die Situation war bereits 1997 total festgefahren. Dieser dreiseitige Bericht der NZZ wurde von einem sehr gewissenhaften Wissenschaftsjournalisten verfasst, der sich weitgehend informiert hat, auch in den Institutionen. Es gab lange Diskussionen, weil ich klar aussagen wollte, dass der Damaszenerstahl historisch europäisch absoluter Blödsinn ist. Die Stellung der Redaktion war, dass dies der verbreiteten Meinung und Wissenschaft widerspricht. „Grundsätzlich seien meine Angaben richtig und logisch, die NZZ habe aber eine wissenschaftliche Verpflichtung und könne keine revolutionären Ansichten vertreten.“ So blieb es bei dem Zeitungsbericht, wie auch im folgenden Filmbeitrag, lediglich bei der Andeutung der wahren historischen Zusammenhänge. Zu der Zeit war das Mobbing der Damaszenerstahl- Gemeinschaft bereits seit vielen Jahren im vollen Gange.

Das Schmieden aus Eisenerzen.
Ende der 80er war in der Europäischen Union eigentlich nur Ch. Moretti aus Korsika, bekannt, der Rennstähle in Kombination mit Industriestählen zu Messern verarbeitete (Aussage damals von M. Sachse (?)). Zurück in der Schweiz habe ich angefangen, mir eine Schmiede aufzubauen. Ich habe mit Industriestahl gearbeitet, gleichzeitig aber mit alten Stählen und Eisenerzen experimentiert. Als ich aus Eisenerzen gehärtete Klingen herstellen konnte, habe ich dann fast 10 Jahre lang professionell nur direkt aus Eisenerzen gearbeitet und praktisch keinen Industriestahl mehr verwendet. Auch die alte japanische Schmiedekunst, die nur mit Eisenerzen funktionieren kann, war schon sehr früh ein Thema meiner Forschung. Der historisch europäische Fachbereich wurde unterdessen von der Damaszenerstahllobby absolut beherrscht. Eine Wende zum realistischen, historischen europäischen Stahlhandwerk war meine grosse Hoffnung. Ich war immer davon überzeugt, dass langfristig niemand so dumm sein kann, zu glauben, dass moderne Industriestähle historisch sind. Ich lag falsch.
Auch die Stahlherstellung aus Eisenerzen wurde auf ähnlichem Niveau wie der „Damaszenerstahl“ abgehandelt. Grundsätzliches Problem ist, dass aus Eisenerzen nicht ohne weiteres ein brauchbarer Rohstahl hergestellt werden kann. Ansonsten wäre die Sache mit dem Damaszenerstahl gar nicht passiert und das Internet wäre voll mit Klingen, die aus Eisenerzen hergestellt wurden. Rennöfen hat man schon immer betrieben, meist als „experimentelle Archäologie“. Gehärtete Klingen in brauchbarer Qualität, wie sie in Japan hergestellt werden, gab es in Europa bislang eigentlich praktisch nicht. Es muss unterdessen ganze Scheiterhaufen von Berichten über den Betrieb von Rennöfen und die „Stahlherstellung“ aus Eisenerzen geben. Sie enden allgemein mit der Feststellung:“ Der hergestellte Rohstahl im Rennofen konnte nicht weiterverarbeitet werden, er ist unbrauchbar.“ Es ist unglaublich mitzuerleben, wie diese immer wieder gemachte Feststellung in den letzten Jahrzehnten ignoriert wurde. Viele der in Europa angeblich direkt aus Eisenerzen hergestellten Stähle (entsprechend vor allem japanischen Objekten), sind meines Erachtens Fake.
Es ist sehr einfach, die Problematik, welche bei Eisenerzen besteht, zu umgehen. In meinem Buch sind verschiedenste Methoden beschrieben, auch in meinen Beiträgen auf YouTube werden sie thematisiert. Primär geht es mir nicht darum, die Herstellung von Fälschungen zu unterstützen, sondern dass diese Tricks erkannt werden können:
- Ein Rennfeuer betreiben und behaupten, dass der entstandene Rohstahl brauchbar ist. Möglichst direkt einen Barren schmieden oder sonst etwas und das als gekonntes Handwerk unserer Vorfahren hinstellen.
- Von Eisenerzen reden, aber Industriestahl in den Rennofen füllen. Ergibt eine ähnliche Luppe wie mit Eisenerzen, aber mit den Eigenschaften des modernen Industriestahls. Diese Luppe kann problemlos geschmiedet werden.
- Einen alten Rennstahl praktisch direkt in Form schmieden. Der aus Eisenerzen hergestellte Stahl wurde bereits mehrfach gefaltet und feuerverschweisst. Lediglich den Kohlenstoffgehalt einstellen.
- Aus Reineisen (Industriestahl) einen normalen Schweissverbund herstellen. Die Maserung aus den weissen oxidischen Linien kann künstlich hergestellt werden. Reinste Stahlqualität. Nur den Kohlenstoff einstellen.
Vereinfachungen, um die Problematik von Eisenerzen zu umgehen, werden bereits seit vielen Jahren verwendet. Man kann hohe Preise verlangen und behaupten, man würde aus Eisenerzen arbeiten. Es gilt die Eins- zu- einer- Million- Regel. Während alle das Publizierte für wahr bewundern, merkt nur ein kleiner Teil von Fachleuten, dass es eine Lüge ist. Lügen rentiert sich in unserer Gesellschaft allemal. Es ist zu einfach und nur wenige können solche Täuschungen erkennen. Aus meiner Sicht beginnt die wirkliche Stahlherstellung aus Eisenerzen erst. Recht deutlich sind es vor allem Käufer meines Buches, die unterdessen Erfolge verzeichnen können.
Viele weitere Informationen findet man auf meinem YouTube- Kanal: „Schwertschmiede“.
Das Problem in den letzten Jahrzehnten war nicht nur der Damaszenerstahl, gleichzeitig gab es auch die Rennofenlobby, die zumindest mit Eisenerzen arbeiten, aber eigentlich nichts Brauchbares herstellen konnten. Auch darauf darf man nicht hinweisen, die Resonanz ist natürlich entsprechend negativ. Ein weiteres Problem sind die Akademiker. Die Institutionen (u.a. die Archäologie) haben gut an dem Fachbereich verdient und konnten ihren Studenten lukrative Jobs bieten. Intern wurde der Fachbereich so interpretiert, dass die Forschung für die Geschäftsführung gewinnbringend und auf einer Basis stattfindet, die für Akademiker geeignet ist. Obwohl dieser riesige Fachbereich praktisch noch unerforscht ist, wurden in den letzten Jahrzehnten keine wissenschaftlichen Fortschritte gemacht.
Bei meinen ganzen Bemühungen über Jahrzehnte hinweg gab es von den Institutionen absolut keine Unterstützung. Im Gegenteil. Sie sind absolut davon abhängig, dass andere für sie das Wissen erarbeiten. Aber auch dann ist es ein enormes Problem. In meinem Buch sind nicht nur die einfachsten Zusammenhänge erstmals veröffentlicht, um aus Eisenerzen einen Stahl herstellen zu können. Es sind viel weitergehende Techniken unserer Vorfahren publiziert, die weit hinter dem Horizont unserer akademischen und bestimmenden Wissenschaftler liegen. Bis das alles in deren Wissenschaft ankommt oder gar verstanden wird, werden noch viele weitere Jahrzehnte vergehen. Immerhin geht es um 2000 Jahre Geschichte, von einem der wichtigsten Produkte der Menschheit.

