Messer aus dem Rennofen, Bilder und Erklärungen zu dem alten Handwerk.

In diesen wissenschaftlichen Fachbereich wurde bei uns viel Zeit und Geld investiert, man hat aber bis heute nicht einmal die wichtigsten Zusammenhänge verstehen können. In der Folge werden einige der fundamentalsten Fakten erklärt, die ich bereits seit über 35 Jahren erfolglos versuche, der „Fachwelt“ verständlich zu machen. 

Ein geschichtlicher Überblick.

Europa (Wissenschaftlich erst ganz am Anfang)

In Europa wurde von 800  v. Chr. bis 1200 n. Chr. jeglicher Stahl im Rennofen aus Eisenerzen hergestellt. Der Stahl erreicht dabei nicht die Schmelze. Ab 1200 n. Chr. wird Stahl in Hochöfen in der Schmelze hergestellt. Über Jahrhunderte hinweg wurde immer mehr Stahl in der Schmelze hergestellt, der das lange noch dominierende Rennofenverfahren langsam ablöste. Seit nicht ganz 200 Jahren wird in Europa die Stahlherstellung im Rennofen nicht mehr beherrscht. Millionen von Schmieden haben auf einer riesigen Fläche über Jahrtausende hinweg, meist unabhängig voneinander, aus Eisenerzen mit Holzkohle Werkzeuge und Waffen hergestellt. Alle haben immer mit Eisenerzen und Holzkohle begonnen. Danach wurden unzählige unterschiedliche Verfahren und Techniken verwendet, von denen wir bis heute eigentlich kaum etwas wissen. Die Holzkohle war bis ins 18. Jahrhundert der einzige verwendbare Brennstoff. Eisenerze, Holzkohle und Rennofen- viel weiter sind wir bis heute eigentlich nicht gekommen.

Altes japanisches Schwert, Stahlstrukturen.
Struktur eines alten japanischen Schwerts (nach 1600), von minderer Qualität.
Stahlstruktur eines römischen Pflugs.
Stahlstruktur eines römischen Pflugs, genaues Alter unbestimmt.

Die Stahlstrukturen von Stählen aus dem Rennofen sind weltweit grundsätzlich identisch. Nur anhand dieser Strukturen kann die Region der Herstellung nicht bestimmt werden. Es ist auch nicht möglich, das verwendete Eisenerz zu bestimmen. Die Härtung ist grundsätzlich immer nur schmal, der dünnen Schneide entlang. Nur die Japaner können ihren Klingenbestand weitgehend definieren.

Japan (Weltweit führend in Wissenschaft, Handwerk und Forschung)

Erst 700 n. Chr. begann man in Japan Stahl aus Eisenerzen herzustellen, meist in der Nähe von Erzlagern. Nach Jahrhunderten der Kriege, zu Beginn einer langen Friedenszeit um 1600, gab es grosse Umstrukturierungen in der japanischen Stahlproduktion. Die im ganzen Land verteilte individuelle Stahlherstellung wurde durch einen grossen Rennofen zentralisiert, der heute noch in Betrieb ist. Seither ist es die Kunst und Aufgabe der Schwertschmiede, aus dem Rohstahl dieses zentralen Rennofens eine möglichst hohe Stahl- und entsprechend Gebrauchsqualität herzustellen. Die Japaner praktizieren das alte Handwerk seit Jahrhunderten in Perfektion, haben ein enormes Wissen gesammelt, sind absolut führend im Untersuchen durch Polituren und können in den Stählen „lesen“ und sie bis in das kleinste Detail definieren. Das europäische Können und Wissen über unsere alten Stähle ist dagegen absolut lächerlich.

Grundlegend

Grundsätzlich sind das alte Handwerk in Europa und das der heutigen japanischen Schwertschmiede identisch. Praktisch das gesamte Fachwissen und Erfahrungen über japanische Schwerter haben auch für die alten europäischen Stähle Gültigkeit. In den zahlreich publizierten Portraits japanischer Schwertschmiede wird immer wieder erwähnt, dass die Schmiede viele Jahre bei einem Meister und lange darüber hinaus lernen müssen, um dieses schwierige Handwerk zu beherrschen. Bei uns ist man bereits ein Held, wenn man eine Klinge praktisch direkt aus einer Luppe schmiedet oder mit anderem Blödsinn. Das funktioniert nur, weil bei uns niemand wirklich Ahnung hat. Die japanischen Fachkreise sind verbindlich, unsere sind nachweislich unfähig, das ist ja das Problem.

Es kommt aber noch schlimmer

Auch wenn wir eigentlich das Wissen der japanischen Fachkreise einfach kopieren könnten, bringt uns das nicht viel weiter. In Europa wurde viel mehr experimentiert, die Zeit der historischen Stahlherstellung ist jahrtausende älter und länger. Unzählige Verfahren wurden verwendet, die man in Japan nicht kannte. Der Fachbereich historischer europäischer Stähle ist viel schwieriger und vielfältiger als der japanische. Selbst das Fachwissen der japanischen Experten reicht nicht aus, um das historische Schmiedehandwerk in Europa ergründen zu können. Die geschmiedeten Nachweise spezieller Techniken zum Vergleich fehlen.