Die historischen europäischen Stahlherstellung bisher.
Wissenschaftlich belegt aber ignoriert.
Stahl ist eines der wichtigsten Produkte der Menschheit. In Europa wurde etwa 2000 Jahre lang Stahl als Handwerk in kleinen Mengen im Rennofen aus Eisenerzen mit Holzkohle hergestellt. Das ist so wissenschaftlich belegt und wird nicht infrage gestellt. Diese Zusammenhänge hat man bisher in Europa weitgehend ignoriert, im Glauben, moderner Industriestahl sei identisch. Entsprechend hat man nachweislich in den letzten Jahrzehnten das historische europäische Schmiedehandwerk praktisch ausschliesslich mit modernem Industriestahl nachvollzogen.
Der Rennofen als Show.
Das Verhütten von Eisenerzen im Rennofen wurde praktisch separiert. Wenn man im Internet die Bilder von Rennöfen vergleicht, ist es auffallend, dass der grösste Teil von Schaustellern auf Mittelaltermärkten, vor Publikum, betrieben wird. Gehärtete Klingen, welche aus diesen Rennofenstählen geschmiedet wurden, sind bis heute kaum zu finden. Der Grund dafür, der in der „experimentellen Archäologie“ bereits seit Jahrzehnten unzählige Male dokumentiert wurde, ist, dass kein brauchbarer Rohstahl bei den Rennofenexperimenten entsteht. Der entstehende Rohstahl ist kaum oder nur kurz schmiedbar, bis er morsch zerbricht. Er ist nie in dem Zustand, dass überhaupt eine brauchbare Klinge hergestellt werden kann. Die Leistungen bestehen im Prinzip nur aus dem Errichten eines Schachts und dem Betreiben eines belüfteten Feuers, in welches man Eisenerze hineinwirft. Gängige Ausreden sind:
- Ich verhütte nur Eisenerze. Schon früher war das Verhütten und das Schmiedehandwerk getrennt.
- Ich schmiede daraus später in meiner Werkstatt tolle Sachen. Man wird aber nie mehr was davon hören.
- Man schmiedet praktisch direkt aus der Luppe ein Objekt, bevor der Stahl anfängt, zu reissen. Möglichst etwas Grobes, Dickwandiges ohne Härtung. Man kann auch dünne Objekte schmieden, wie Messer. Der Stahl ist aber überhaupt nicht belastbar.
Die Situation der Institutionen.
Die Institutionen, deren Akademiker (ehemalige Studenten) vom Steuerzahler finanziert werden, haben vom Handwerk keine Ahnung. Sie bilden per Arbeitsvertrag die „oberste Instanz“ für den Fachbereich. Meist mit dem allgemeinen Studium der Archäologie. Das ist keine Grundausbildung für historische Stähle. Eine Zusammenfassung reicht bereits für einen, aus den eigenen Reihen bewerteten Doktortitel. Ein Studium als Grundausbildung, und eine Spezialisierung in eine Fachrichtung machen zum Beispiel bei der Medizin, dem Jurastudium oder Ingenieurwesen durchaus Sinn. Vom Archäologiestudium zu historischen Stählen hingegen nicht. Es liegt ein unbekanntes Handwerk zugrunde, es gibt kaum eine Überschneidung zwischen Studium und Fachbereich. Der Doktortitel liegt über dem des Handwerksmeisters, und dafür muss man viele Jahre investieren. Zudem habe ich Fachdissertationen gelesen und Fachgespräche mit entsprechenden Personen geführt. Realitätsfremd und abhängig von anderen, welche die wissenschaftliche Arbeit erledigen. Für mich ist das eine Katastrophe. Ich habe viel neues Wissen geschaffen, weit ausserhalb von deren Horizont.