Messer aus Eisenerzen 03
CHF920.00

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Beschreibung
Messer aus Eisenerzen 03 Volker Hollmann.
Beschreibung
Der hervorragende Stahl für dieses Messer wurde aus brasilianischem Eisenerz, mit Holzkohle im Rennofen hergestellt. Die taillierte Klinge, besteht aus tausenden Schichten. Die Textur aus feinen oxidischen Linien wurde durch eine aufwendige Kunstpolitur ersichtlich gemacht.
Der Griff ist aus Maserholz und Horn gefertigt. Die kräftige Messerklinge ist an einem an der Angel angesetzten Gewinde im Griff verschraubt, um sie zum Nachschärfen lösen zu können. Die gesamte Klinge besteht aus selbst verhüttetem Eisenerz, bis auf die Verlängerung der Angel, dort wurde etwas Industriestahl angesetzt.
Vor dem Härten wurde nur am Rücken eine dickere, isolierende Lehmschicht aufgetragen. Auf einer Seite der Messerklinge sind kleine Einschlüsse im oberen Teil zu sehen. Es sind keine Schweiss- oder Schmiedefehler, sondern Einschlüsse aus der Luppe, die nicht herausgearbeitet werden konnten.

Die Klinge
Der hervorragende, hochqualitative Stahl wurde im Rennofen aus selbst verhütteten brasilianischen Eisenerzen hergestellt. Im Rennofen erreicht der Stahl nicht die Schmelze, wodurch ein sehr spezieller Eisenwerkstoff entsteht, der nicht legiert sein kann und sich von unserem modernen Industriestahl in vielen Eigenschaften markant unterscheidet. Der im Rennofen entstehende Eisenschwamm (Rohstahl, Luppe, Tamahagane) ist in diesem Zustand noch unbrauchbar, der Stahl hat noch keine Festigkeit und ist stark verunreinigt. Erst durch viel Schmiedearbeit, das Ausstrecken und mehrmaliges falten und Feuerverschweissen wird der Stahl brauchbar. Die grundsätzliche Stahlherstellung besteht entsprechend auch aus zwei wichtigen Schritten, die gekonnt sein müssen.
In Europa wird dieses alte Handwerk seit Jahrhunderten kaum mehr beherrscht. Trotz enormer Investitionen stehen wir heute noch wissenschaftlich ganz am kläglichen Anfang. In Japan wird das alte Handwerk seit Jahrhunderten noch in Perfektion beherrscht. Viele heutige traditionelle japanische Schwertschmiede erwerben ihren Rohstahl (Tamahagane) von einem zentralen Rennofen (Tatara), der seit 1600 in der Präfektur Shimane betrieben wird. Die Kunst und Hauptaufgabe des Schmiedes ist es, aus dem unbrauchbaren Rohstahl eine möglichst hohe, gehärtete Stahlqualität herzustellen. Um diese Kunst der Weiterverarbeitung zu erlernen, müssen japanische Schmiede viele Jahre bei einem Meister eine Lehre absolvieren. Die japanischen Schmiede falten und Feuerverschweissen den Rohstahl bis zu 13 Mal in sich, wodurch tausende von Schichten entstehen.
Der Schmied kann am Stahl erkennen, wie die Qualität stetig steigt. Weltweit weisen historische Stähle aus dem Rennofen tausende Schichtungen auf. Im Gebrauch wird die Qualität des Stahls schnell offensichtlich. Nur ein Rohstahl, der von Zentimetern auf die Länge von mehreren Metern aus geschmiedet wurde, kann hohe Qualitäten erreichen. Diese Erkenntnis ist so alt wie die Stahlherstellung selbst. Unterschiedliche Kohlenstoffgehalte (Hart- Weichschichten) gleichen sich bereits nach kurzer Schmiedezeit bei diesem speziellen Stahl aus. Der „Damaszenerstahl“ aus Industriestahl mit seiner groben Maserung ist historisch absoluter Blödsinn. Auch die praktisch direkt aus der Luppe hergestellten Klingen (experimentelle Archäologie = nicht professionell, Versuche) entsprechen nicht der hohen Kunst unserer Vorfahren.
Ein wirklich guter Stahl, der im Rennofen hergestellt wurde, weist einen silbrig spiegelnden, hellen Glanz auf und seine Oberfläche wirkt nass. Die Härtung und sämtliche Details und Erscheinungen im Stahl sind klar, brillant und wach. Eine hohe Qualität ist ein geschlossen geschmiedeter und entsprechend reiner Stahl. Entgegen den Wunschträumen vieler „Möchtegern Experten“ sind wirklich gute historische Stähle eher schlicht. Die Schönheit des Stahls zeigt sich in feinsten Strukturen, die vor allem in Schein des Lichts zu sehen sind. Die Begutachtung eines solchen Stahls muss gelernt sein und ist schwierig. Eigentlich genau das Gegenteil von dem, was unsere europäischen Fachkreise sich wünschen.
Wichtig:
Historische Stähle sind hauptsächlich absolut unspektakulär. In den letzten 35 Jahren habe ich unzählige alte Originale, aus unterschiedlichsten Jahrhunderten und weltweiten Regionen untersucht und den Stahl durch die Kunstpolitur bis in die kleinsten Details ersichtlich gemacht. Viele Klingen habe ich auch im metallurgischen Labor untersucht, in dem ich jahrelang gearbeitet habe. Bis auf die Klingen, in denen Torsionen aus phosphorhaltigen Stählen eingearbeitet wurden, weisen die Stähle aus dem Rennofen keine grosszügigen Maserungen auf. Im Gegenteil.
Meist muss man sich bei der Kunstpolitur extrem bemühen, um überhaupt eine Textur im Stahl ersichtlich machen zu können. Um es klar und deutlich zu sagen: in den letzten Jahrzehnten wurdet ihr von inkompetenten Versagern mit diesen Maserungen des „Damaszenerstahls“ total verarscht. Die Wahrheit ist genau entgegengesetzt.
Härtung
Stahl ist das wichtigste Metall für Werkzeuge und Waffen, weil er härtbar ist. Die Härtung dieses speziellen Eisenwerkstoffs ist jedoch eine sehr heikle Angelegenheit. Weil der Stahl nicht in der Schmelze hergestellt wurde, kann er keine Legierungselemente aufweisen, welche die Härtung unterstützen. Der Stahl muss in sehr schroff härtendem Wasser abgeschreckt werden, wobei die Entstehung von Härterissen sehr hoch ist. Der Kohlenstoffgehalt muss vom Schmied präzise gesteuert werden.
Bei zu geringem Kohlenstoffgehalt entsteht kein Martensit (Härte), bei zu hohem werden beim Abschrecken unweigerlich Härterisse entstehen. Die Bandbreite einer gelungenen Härtung ist sehr, sehr schmal. Nur in einem wirklich guten Stahl, von hoher Qualität, mit optimiertem Kohlenstoffgehalt kann eine kraftvolle, schnitthaltige, zähe Härtung erstellt werden. Ein matter, schlafender, gräulicher Stahl aus dem Rennofen hat geringe Gebrauchsqualitäten und kann auch keine gute Härtung erreichen. Was bei uns gerne als grosse Leistung hingestellt wird, würden japanische Experten als „Müll“ bezeichnen.
Die hier angebotene, meisterlich hergestellte und gehärtete Klinge von höchster Qualität, wurde absolut natürlich, im identischen Verfahren, welches unsere Vorfahren über Jahrtausende hinweg verwendet haben, hergestellt. Das Aussehen kennt man eigentlich nur von den japanischen Blankwaffen, ist aber weltweit für Stähle aus dem Rennofen absolut normal. Bei dieser Klinge kann man praktisch eine zweite parallele Härtelinie sehen, was eher speziell ist. Die Schneide wurde für die Härtung blank belassen und nur der Rücken mit einer etwas dickeren, isolierenden Lehmschicht versehen. Damit sollten Flecken von oberflächlichen Härtungen verhindert werden, die bei hohen Stahlqualitäten, die sehr empfindlich reagieren, auftreten können.
Trotz 30 Jahren Erfahrung in der Herstellung von Klingen direkt aus Eisenerzen wurde die isolierende Schicht etwas zu hoch angesetzt. Die natürliche Härtung der blanken Schneide hat kurz vor dem Lehmanstrich geendet. Der dünne Übergang zur dickeren, isolierenden Lehmschicht hat die Härtung verstärkt und praktisch eine zweite Härtelinie parallel zur natürlichen Härtung erzeugt. Hätte ich die Lehmschicht etwa einen halben Millimeter tiefer angesetzt, wäre die Härtung gesamthaft breiter gewesen und von der dickeren Lehmschicht relativ abrupt gestoppt worden.
Polituren
In Europa haben wir in diesem wichtigen Fachbereich einen jahrzehntelangen wissenschaftlichen Rückstand und entsprechend fehlen auch die Erfahrungen. Die Japaner sind uns in der Untersuchung und Darstellung dieses speziellen Stahls weit voraus. Während bei uns eigentlich alles in Richtung einfache Ätzungen tendiert (Musterung ersichtlich machen, metallurgischer Untersuch), haben die japanischen Experten bereits vor Jahrhunderten erkannt, dass die primäre Maserung des Stahls, die oxidischen Strukturen, eigentlich nur durch aufwendige Polituren ersichtlich gemacht werden können.
Mit immer feiner werdenden Poliermitteln wird die Oberfläche des Stahls bearbeitet, bis die sehr feinen Strukturen der Faltungen ersichtlich werden. Diese sehr aufwendige Arbeit ist ein eigenständiges Kunsthandwerk, das sehr viel Erfahrung benötigt. Polituren sind durch den grossen Zeitaufwand natürlich nicht gerade günstig. Schneller und einfacher ist es natürlich, wenn man die Klinge in eine Säure taucht. Bei diesem Stahl werden durch die Säure eigentlich nur zwei klare Farbunterschiede erreicht: vom gehärteten Stahl an der Schneide und dem weichen Stahl im Bereich darüber. Die vielen feinen Strukturen oxidischer Linien werden dabei nicht ersichtlich. Deswegen müssen solche Stähle feinst und aufwendig durch die Kunstpolitur ersichtlich gemacht werden.












