Die "Wissenschaft" bisher
Es ist unterdessen ein unumstösslicher Teil der Geschichte der historischen europäischen Stähle, dass fast ein halbes Jahrhundert lang das verschweissen von Industriestählen in wechselnden hart und weich Schichten als historisch galt. Egal, was man jetzt im Nachhinein behauptet, diese unglaubliche Geschichte ist gross und breit so dokumentiert. Wenn man jemanden beliebigen fragt:“ kann man mit modernem Industriestahl die historische Stahlherstellung von vor Tausenden Jahren nachvollziehen?“ So benötigt dieser nur wenige Sekunden für die verneinende Antwort. Nicht einmal der gesunde Menschenverstand wurde erreicht. Auf dem Niveau geht das dann noch weiter und ich finde es wichtig, dass die Öffentlichkeit davon erfahren muss.
Zum Vergleich: Realität und Fantasie


Dieser Fachbereich besteht weitgehend aus Inkompetenz und es wird viel betrogen. Das Problem ist, dass der Laie kaum erkennen kann, wenn er für dumm gehalten wird. Sowohl von der Archäologie, den Institutionen, den Schmieden und den angeblichen „Experten“. Die Zusammenhänge werden hier aufgezeigt, damit ihr die Möglichkeit habt, alles selbst zu überprüfen.
Verbreitete Täuschung



In den Bildern sieht man, wie eine brauchbare Luppe aussieht, die aus Eisenerzen mit Holzkohlen im Rennofen hergestellt wurde. Glühend und erst recht in kaltem Zustand kann man mit schweren Hämmern auf diese Luppe einschlagen, wie man will, da passiert kaum etwas. Nur etwas Schlacke und Holzkohlenreste fallen ab, ansonsten bricht da absolut nichts auseinander. Ein Stahlklumpen.
Schaut euch doch mal auf YouTube die vielen Dokumentationen über Rennöfen an. Meist sieht man, wie die angebliche Luppe bereits bei leichten Schlägen völlig auseinanderbricht. Da ist absolut nichts Brauchbares, totaler Blödsinn und nur eine ganz billige Show. Auf YouTube findet man Beiträge, in denen gezeigt wird, wie die Luppe total haltlos in kleine Stücke zerbricht. In der nächsten Einstellung sind sie aber frisch und fröhlich am Schmieden, angeblich mit ihrem im Rennofen aus Eisenerzen hergestellten Stahl. Es gibt Schmiede, die bereits seit vielen Jahren von sich behaupten, sie können aus Eisenerzen Klingen herstellen (und verkaufen), ohne jemals auch nur eine einzige Klinge wirklich selbst aus Eisenerzen hergestellt zu haben.
Next Level: Es entsteht ein zusammenhängender Eisenschwamm (Luppe)
Neben den Luppen, die haltlos zerfallen, gibt es auch etwas bessere Rennofenversuche, bei denen ein zusammenhängender Eisenschwamm entsteht. Das sieht besser aus, heisst aber noch überhaupt nichts. Normaler Weise bricht und zerfällt der Stahl des Eisenschwamms nach kurzer Schmiedezeit haltlos. Er kann nicht weiterverarbeitet werden. Um doch noch etwas vorzeigen zu können, schmiedet man ziemlich direkt nach ein bis zwei Feuerverschweissungen eine Klinge aus dem Stahl, kurz bevor der Stahl haltlos zerbricht und unbrauchbar wird. Solche unbrauchbaren Klingen kann man an ihrer matten grauen Stahlfarbe erkennen. Wenn überhaupt eine Härtung möglich ist, ist diese minimal oder der Übergang zum weichen Stahl ist schroff. Sieht schon schlecht aus.
Es gibt Vorgaben bezüglich der Qualitäten. Zum einen sind es die Originale unserer Vorfahren, zum anderen das seit 1600 ausgeübte Handwerk der japanischen Schwertschmiede. Ein brauchbarer und guter Stahl aus Eisenerzen sieht nass aus, die Effekte sind „wach“ und der Stahl hell glänzend. Ein wie oben beschriebener schlechter, nicht belastbarer Stahl, verglichen mit einem guten ist wie „Tag und Nacht“. Was bei uns als grosse Schmiedeleistung gesehen wird, würde in Japan nur höhnisches Gelächter auslösen.
Bereits vor den Neunzigern war für mich klar, dass die Verfahren traditioneller japanischer Schwertschmiede das historische europäische Schmiedehandwerk ist. Seither habe ich alles mir Mögliche unternommen, um die europäische historische Stahlherstellung richtigzustellen. Seit 35 Jahren! Die Diskussion um meine Bemühungen im Messerforum zeigt die Situation 2009 sehr gut auf. Beteiligt war ein grosser Teil der deutschsprachigen Damaszenerstahllobby.
Alles um den Damaszenerstahl ist absolut einfach. Jeder kann fertige Industriestähle feuerverschweissen und wird dadurch zum „Experten“ für historische Stähle. Schwert gleich Held, Waffe gleich Macht. Das ist es, was die meisten anzieht.
Es ist kein wirtschaftlicher Fachbereich. Die gesamte Wissenschaft wird vom Steuerzahler bezahlt und die Institutionen haben das Monopol auf dieses Geld. Der Steuerzahler darf nie erfahren, wie viele Millionen für dieses Fachgebiet bisher an die Institutionen bezahlt wurde, trotzdem stehen wir noch ganz am Anfang. Bis heute kennt man nicht einmal die einfachsten und wichtigsten Grundsätze dieses alten Handwerks, um überhaupt wissenschaftlich arbeiten zu können. Diese grundsätzlichsten Fakten wurden erstmals in meinem Buch publiziert, der an die Institutionen gezahlte Gegenwert sind Hunderte Millionen. Das ist ein Problem.
Wer hat den Zusammenhang zwischen japanischer und europäischer Schmiedekunst entdeckt?
In Japan glaubt man seit über 25 Jahren fälschlich, dass japanische Experten als erste entdeckt haben, dass es einen Zusammenhang zwischen europäischer historischer Schmiedekunst und der japanischen gibt. Wie es zu dieser nicht unwesentlichen Fehleinschätzung kam, muss auch bei uns publik werden. Der Archäologiestudent Stefan Mäder hat mich aufgrund einer Publikation in der NZZ 1997/1998 mehrfach in meiner Schmiede aufgesucht. Er war auf der Suche nach einem Thema für seine Dissertation. Seit 1990 weiss ich, dass die europäische und heutige japanische historische Schmiedekunst das identische Handwerk ist. Seither habe ich unzählige alte europäische Stähle durch die Kunstpolitur untersucht. Der ganze Kontext war mir damals bereits bekannt und Teil meiner täglichen Arbeit als professioneller Schwertschmied. Ich habe Mäder damals die vielen polierten alten europäischen Stähle gezeigt und mehrfach versucht, ihm alle Zusammenhänge zu erklären. Er konnte absolut nichts davon verstehen und hat mich nur ausgelacht. Seine Begriffsstutzigkeit hat mich damals wütend gemacht. Jedenfalls ist er dann Jahre später, nach seinem Studium, mit europäischen Klingen nach Japan gegangen und hat das, was er bei mir gesehen hat, mit japanischen Schwertpolierern nachgespielt. Als die japanischen Experten dann meine Aussage, dass der europäische und japanische Stahl grundsätzlich identisch sind, bestätigt haben, war er sicherlich total überrascht. Den Japanern muss er erzählt haben, dass sie das jetzt als erste herausgefunden hätten. Die gesamte Vorgeschichte, dass ich ihm das Jahre zuvor bereits erfolglos versucht habe zu erklären, hat er allen verschwiegen. Er hat veröffentlicht, er sei in einem Museum auf die Idee gekommen, europäische Klingen zu polieren wie japanische usw.. Jedenfalls hat Herr Mäder sich in Japan und auch hier mit dieser Geschichte feiern lassen und alle Lorbeeren eingesammelt. Die einzige Leistung von Herrn Mäder war die Inszenierung der Politur europäischer historischer Klingen in Japan. Alle Arbeiten und Expertisen kamen von den japanischen Experten, Mäder hatte von nichts Ahnung. Seither glaubt man in Japan, dass japanische Experten dank einem deutschen Studenten den Zusammenhang der historischen Schmiedekünste erkannt haben. Das muss unseren Fachkreisen peinlich sein und es ist ärgerlich, weil die Japaner damals interessiert gewesen wären. Für Herrn Mäder war es ein unverdienter Erfolg, für den Fachbereich eine verpasste Chance. Diese Geschichte muss richtig gestellt werden.
Von Suggestion bis hin zu Betrug
Wenn man seit Jahrzehnten aus Eisenerzen arbeitet, erkennt man aus Erfahrung sofort, wenn in einem Beitrag etwas nicht stimmt. Der Laie hat keine Möglichkeit, das zu erkennen und glaubt alles. Teilweise sind die Inszenierungen einfach zu durchschauen, wenn man weiss, worauf man achten muss und etwas genauer hinschaut. In der Folge sind einige Zusammenhänge beschrieben, mit denen ihr die Fakes entdecken könnt. Zum Beispiel auf YouTube gibt es viele solche unehrliche Beiträge. Ich wüsste nicht jemals eine erfolgreiche europäische Rennofenaktion gesehen zu haben, die kein Fake ist. Schaut es euch selbst an mit diesen Informationen.
- Immer wieder wurde behauptet, man könne auch aus Eisenerzen arbeiten (auch in der Diskussion Messerforum). Lüge
Wer das tut, bekommt eine nur schmale Härtung der Schneide entlang, hart- weich Schichten sind nicht möglich. Der Kohlenstoff ist leicht gebunden und wandert (gleicht sich aus) sehr schnell. Deswegen haben unsere Vorfahren mit Phosphor Maserungen erstellt.
- Das Internet ist voll mit Rennofenaktionen. Sie werden als grosser Erfolg dargestellt, enden aber beim Schmieden. Suggestion
Weil der Eisenschwamm meist unbrauchbar ist. Er zerfällt sofort oder nach kurzer Schmiedezeit. Eine brauchbarer Eisenschwamm ist ein zusammenhängender Eisenklotz, auf den man mit aller Wucht lange einschlagen kann, ohne dass er zerfällt. Totaler Misserfolg, nichts erreicht.
- Man zeigt sich mit dem Rennofen, redet von Eisenerzen aber, man kann sehen wie der entstehende Eisenschwamm haltlos zerfällt. Im nächsten Bild ist man in der Werkstatt an einem ganz anderen Eisenschwamm am schmieden. Betrug
Man wirft Industriestahl in einen Rennofen. Es entsteht ein ähnlicher Eisenschwamm wie aus Eisenerzen, der aber wie normaler Industriestahl schmiedbar ist. Die Eisenerzproblematik wird gesamthaft umgangen. Das ist keine historische Stahlherstellung.
- Man schmiedet einen angeblich aus Eisenerzen hergestellten Eisenschwamm. Er ist aber hart und zäh. Betrug
Eine aus Eisenerzen hergestellte Luppe sackt weich in sich zusammen, weil der Stahl grundsätzlich leicht formbar und voller kleiner und grösseren Poren ist. Das Volumen reduziert sich deutlich. Bei „Luppen“ aus Industriestählen sackt der Hammer weit weniger ein.
- Man verwendet einen kleinen Brocken gekaufte japanische Luppe (Tamahagane), um ein Schwert zu schmieden. Täuschung.
Weil der Eisenschwamm beim ersten Schmieden stark an Volumen verliert und beim Faltungsprozess nochmals etwa 50% durch den Zunder verbraucht wird, benötigt es für ein Schwert eine grössere Menge Tamahagane. Wenn das Grundpaket hauptsächlich aus irgendeinem anderen Stahl (z.B. Industriestahl) besteht, wird das sicherlich kein aus Tamahagane geschmiedetes Schwert.
- Man stellt einen Eisenschwamm aus Eisenerzen her und schmiedet diesen direkt in die fertige Form, weil er bei längerer Glühzeit zerfallen würde. Zum Beispiel zu einer Axt oder einem Messer. Unrealistisch.
Ein Eisenschwamm aus Eisenerzen muss mehrfach ausgeschmiedet und feuerverschweisst werden, um überhaupt brauchbar zu werden. Der Stahl hat keine Festigkeit. Man will eine Form erreichen, bevor der eigentliche unbrauchbare Eisenschwamm zerfällt.
- Man verwendet alte Rennofenstähle, die bereits fertig sind und mehrfach gefaltet und feuerverschweisst wurden und schmiedet direkt daraus Klingen.
Das ist in gewisser Weise akzeptabel, solange man nicht behauptet aus Eisenerzen geschmiedet zu haben und sich für die nicht geleistete Arbeit bezahlen lässt. Dann wäre das Betrug. Viele Replikate wurden in den letzten Jahrhunderten auf diese sehr einfache Weise hergestellt. In heutiger Zeit haben Schmiede das auch betrügerisch genutzt.
- Vergleichende Schwerttests historischer europäischer und japanischer Klingen. Wieso nicht, eigentlich interessant.
Wenn aber eine im Rennofen hergestellte originale alte japanische Klinge mit einem suggerierten alten europäischen Original, das aber in Wirklichkeit aus modernem Messerstahl selbst hergestellt wurde, verglichen wird, ist es absolut unseriös. Betrug.
- Maserungen mit deutlichen Abgrenzungen auf Kohlenstoffbasis können mit dem im Rennofen hergestellten Stahl nicht erstellt werden. (Siehe YouTube Beitrag „Schwertschmiede“). Unsere Vorfahren haben phosphorhaltige Stähle dazu verwendet. Wie merkt man, ob jemand wirklich aus phosphorhaltigem Eisenerz eine Maserung im Stahl erzeugt oder Industriestahl verwendet?
Ein phosphorhaltiger Industriestahl (selten, eigentlich nicht handelsüblich) hat eine gleichmässige weissliche Farbe. Aus Eisenerzen sind die Konzentrationen ungleichmässig, der Stahl ist fleckig. Grössere und kleinere weisse Punkte sind zu sehen. Unter dem Binokular in der Vergrösserung ist schnell und leicht zu erkennen ob ein Industriestahl verwendet wurde. Industriestähle sind viel reiner als ein Stahl aus dem Rennofen. In Europa haben viele Eisenerzstätten einen hohen Phosphorgehalt, was schlecht ist. Deswegen werden für unsere Hochöfen Eisenerze importiert.
- Können Echtheitszertifikate für historische europäische Stahlobjekte erstellt werden?
Nein, nicht wirklich. Durch vorhandene moderne Legierungselemente kann bestimmt werden ob ein Industriestahl verwendet wurde. Die Reinheit des Stahls kann in der Vergrösserung bestimmt und unterschieden werden. In der Schmelze gehen Verunreinigungen in die Schlacke über, der Stahl hat wenige oxydische Einschlüsse. In Europa wurde Stahl erst ab 1200 in der Schmelze hergestellt. Solche Stähle können auch mit Silizium und Mangan legiert sein. Was die Überprüfung der Echtheit zusätzlich erschwert.
Was man über Fälschungen wissen sollte
Grundsätzliches
Besonders bei den historischen Waffen und Rüstzeug gibt es viele Fälschungen. Bereits vor einem Jahrhundert wurden in Europa viele „Replikate“ produziert. Auch im persischen Raum gab es schon früh grössere Manufakturen, die ganze Rüstungen produzierten für den Export. Im Gegensatz zu den europäischen „Replikaten“ waren diese aber leichter als neuwertig zu erkennen. Man kann es nur vermuten, aber ein erheblicher Teil der europäischen Waffen-Sammlungen sind „Replikate“. Im Ausstellen realistischer Echtheitszertifikate sind sicherlich die Japaner führend, wir Europäer vermutlich die Schlechtesten. Im Mittelpunkt dieser Website stehen die Stähle aus dem Rennofen, was in Europa die Zeitspanne von 800 Jahre vor Christus bis 1200 Jahre nach Christus beinhaltet. Ab dem 13. Jahrhundert wurde in Europa Stahl zusätzlich auch in der Schmelze im Hochofen hergestellt, was den Fachbereich noch komplizierter macht. Wir konzentrieren uns auf die Fälschungen der ersten 2000 Jahre des Stahls.
Wie kann man Fälschungen europäischer Originale erkennen
Ohne Nachweis der Herkunft oder dem Fundumstand sind gute Fälschungen kaum zu erkennen. Einige Schmiedetechniken wie zum Beispiel Torsionsschwerter können bis heute nicht gefälscht werden (weil in meinem Buch erstmals die Hintergründe erklärt sind). Die sicherste Methode wäre die von den Japanern genutzte Kunstpolitur, bei der die Schmiedetechnik des Objekts analysiert wird. Dazu sind unsere „Fachkreise“ aber nicht einmal im Ansatz fähig. Selbst Auffälligkeiten in Form und Gestaltung sind bei der Vielfalt kein sicherer Nachweis. Der metallurgische Untersuch (ich habe in einem metallurgischen Labor gearbeitet) ist genauso ungeeignet und in Wahrheit ein riesiger Beschiss, um Geld zu machen. Dazu später mehr.
Wie Institutionen in diesem Fachbereich viel Geld verdienen
Stahl ist eines der wichtigsten Produkte der Menschheit und von den frühsten 2000 Jahren dieses extrem weitläufigen, sehr schwierigen Handwerks in Europa wissen wir bis heute kaum etwas. Es ist kein wirtschaftlicher Bereich. Sobald etwas „historisch“ ist, wird es vom „Kulturprozent“ der Steuergelder bezahlt. Die Institutionen haben das gesamthafte Monopol nicht nur auf die öffentlichen Gelder. Sie können jemandem durch einen Arbeitsvertrag zum offiziellen Experten für einen Fachbereich ernennen ohne, dass das Studium etwas mit dem Fachbereich zu tun hat oder Kompetenzen bestehen. In den letzten Jahrzehnten sind enorme Summen in die „Wissenschaft“ für diesen Fachbereich geflossen. Alleine im deutschsprachigen Raum müssten das unterdessen sicherlich (weit (?)) über 100 Millionen Euro sein. „Money for nothing“. Rückblickend auf die letzten 40 Jahre hatte ich nie das Gefühl, dass die Institutionen wissenschaftlich wirklich interessiert sind. Es geht um richtig viel Geld (das gezahlt wurde und man weiterhin haben will), um das Monopol, um Glaubwürdigkeit und Kompetenzen. Der Fachbereich wird eigentlich nur missbraucht.