Die "Wissenschaft" bisher
Es ist unterdessen ein unumstösslicher Teil der Geschichte der historischen europäischen Stähle, dass fast ein halbes Jahrhundert lang das verschweissen von Industriestählen in wechselnden hart und weich Schichten als historisch galt. Egal, was man jetzt im Nachhinein behauptet, diese unglaubliche Geschichte ist gross und breit auch so dokumentiert. Wenn man jemanden beliebigen fragt:“ kann man mit modernem Industriestahl die historische Stahlherstellung von vor Tausenden Jahren nachvollziehen?“ So benötigt dieser nur wenige Sekunden für die verneinende Antwort. Gesunder Menschenverstand.
Zum Vergleich: Realität und Fantasie


Bereits vor den Neunzigern war für mich klar, dass die Verfahren traditioneller japanischer Schwertschmiede das historische Schmiedehandwerk ist. Seither habe ich als Einzelner gegen die Fachwelt alles mir Mögliche unternommen, um die europäische historische Stahlherstellung richtigzustellen. Seit 35 Jahren! Die Diskussion um meine Bemühungen im Messerforum zeigt die Situation 2009 sehr gut auf. Beteiligt war ein grosser Teil der deutschsprachigen Damaszenerstahllobby.
Schwert gleich Held, Waffe gleich Macht. Das ist es, was die meisten anzieht. Der Fachbereich ist sicher nicht von Intelligenz geprägt, sondern viel mehr von einfachsten Trieben, die in jeglicher soziale Schicht vorkommen. Alles um den Damaszenerstahl ist absolut einfach. Jeder kann fertige Industriestähle feuerverschweissen und wird dadurch zum „Experten“ für historische Stähle. Mein treffender Spruch seit Anfang der Neunziger: „Willst du wichtig tun und hast nichts in der Birne, willkommen beim Damaszenerstahl“. Selbstverständlich wird auch viel suggeriert, behauptet, gelogen und betrogen. Anbei eine längere Aufstellung.
Von Suggestion bis hin zu Betrug
Wenn man seit Jahrzehnten aus Eisenerzen arbeitet, erkennt man aus Erfahrung sofort, wenn in einem Beitrag etwas nicht stimmt. Der Laie hat keine Möglichkeit, das zu erkennen und glaubt alles. Teilweise sind die Inszenierungen einfach zu durchschauen, wenn man weiss, worauf man achten muss und etwas genauer hinschaut. In der Folge sind einige Zusammenhänge beschrieben, mit denen ihr die Fakes entdecken könnt. Zum Beispiel auf YouTube gibt es viele solche unehrlichen Beiträge, erschreckend viele.
- Immer wieder wurde behauptet, man könne auch aus Eisenerzen arbeiten (auch in der Diskussion Messerforum). Lüge
Wer das tut, bekommt eine nur schmale Härtung der Schneide entlang, hart- weich Schichten sind nicht möglich. Darum geht es doch.
- Das Internet ist voll mit Rennofenaktionen. Sie werden als grosser Erfolg dargestellt, enden aber beim Schmieden. Suggestion
Weil der Eisenschwamm meist unbrauchbar ist. Er zerfällt sofort oder nach kurzer Schmiedezeit. Totaler Misserfolg, nichts erreicht.
- Man zeigt sich mit dem Rennofen, redet von Eisenerzen aber, man kann sehen wie der Eisenschwamm haltlos zerfällt. Im nächsten Bild ist man in der Werkstatt an einem ganz anderen Eisenschwamm am schmieden. Betrug
Man geht hin und wirft Industriestahl in einen Rennofen. Es entsteht ein ähnlicher Eisenschwamm wie aus Eisenerzen, der aber wie normaler Industriestahl schmiedbar ist. Die Eisenerzproblematik wird gesamthaft umgangen. Keine historische Stahlherstellung.
- Man schmiedet einen angeblich aus Eisenerzen hergestellten Eisenschwamm. Er ist aber hart und zäh. Betrug
Eine aus Eisenerzen hergestellte Luppe sackt weich in sich zusammen, weil der Stahl grundsätzlich leicht formbar und voller kleiner und grösseren Poren ist. Das Volumen reduziert sich deutlich. Bei „Luppen“ aus Industriestählen sackt der Hammer weit weniger ein.
- Man verwendet einen Brocken gekaufte japanische Luppe (Tamahagane), um ein Schwert zu schmieden. Täuschung.
Weil der Eisenschwamm beim ersten Schmieden stark an Volumen verliert und beim Faltungsprozess zusätzlich etwa 50%, benötigt es für ein Schwert eine grössere Menge Tamahagane. Wenn das Grundpaket hauptsächlich aus irgendeinem anderen Stahl (z.B. Industriestahl) besteht, wird das sicherlich kein aus Tamahagane geschmiedetes Schwert.
- Man stellt einen Eisenschwamm aus Eisenerzen her und schmiedet diesen direkt in die fertige Form. Zum Beispiel zu einer Axt oder einem Messer. Unrealistisch.
Ein Eisenschwamm aus Eisenerzen muss mehrfach ausgeschmiedet und feuerverschweisst werden, um überhaupt brauchbar zu werden. Der Stahl hat keine Festigkeit. Man will eine Form erreichen, bevor der eigentliche unbrauchbare Eisenschwamm zerfällt.
- Vergleichende Schwerttests historischer europäischer und japanischer Klingen. Wieso nicht, eigentlich interessant.
Wenn aber eine im Rennofen hergestellte originale alte japanische Klinge mit einem suggerierten alten europäischen Original, das aber in Wirklichkeit aus modernem Messerstahl selbst hergestellt wurde, verglichen wird, ist es absolut unseriös. Betrug.
- Maserungen mit deutlichen Abgrenzungen auf Kohlenstoffbasis können mit dem im Rennofen hergestellten Stahl nicht erstellt werden. (Siehe YouTube „Schwertschmiede“). Unsere Vorfahren haben phosphorhaltige Stähle dazu verwendet. Wie merkt man, ob jemand wirklich aus Eisenerzen eine Maserung mit phosphorhaltigem Stahl erzeugt oder Industriestahl verwendet?
Ein phosphorhaltiger Industriestahl (selten, eigentlich nicht handelsüblich) hat eine gleichmässige weissliche Farbe. Aus Eisenerzen sind die Konzentrationen ungleichmässig, der Stahl ist fleckig. Grössere und kleinere weisse Punkte sind zu sehen.
Was man über Fälschungen wissen sollte
Grundsätzliches
Besonders bei den historischen Waffen und Rüstzeug gibt es viele Fälschungen. Bereits vor einem Jahrhundert wurden in Europa viele „Replikate“ produziert. Auch im persischen Raum gab es schon früh grössere Manufakturen, die ganze Rüstungen produzierten für den Export. Im Gegensatz zu den europäischen „Replikaten“ waren diese aber leichter als neuwertig zu erkennen. Man kann es nur vermuten, aber ein erheblicher Teil der europäischen Waffen-Sammlungen sind „Replikate“. Im Ausstellen realistischer Echtheitszertifikate sind sicherlich die Japaner führend, wir Europäer vermutlich die Schlechtesten. Im Mittelpunkt dieser Website stehen die Stähle aus dem Rennofen, was in Europa die Zeitspanne von 800 Jahre vor Christus bis 1200 Jahre nach Christus beinhaltet. Ab dem 13. Jahrhundert wurde in Europa Stahl zusätzlich auch in der Schmelze im Hochofen hergestellt, was den Fachbereich noch komplizierter macht. Wir konzentrieren uns auf die Fälschungen der ersten 2000 Jahre des Stahls.
Wie kann man Fälschungen europäischer Originale erkennen
Ohne Nachweis der Herkunft oder dem Fundumstand sind gute Fälschungen kaum zu erkennen. Einige Schmiedetechniken wie zum Beispiel Torsionsschwerter können bis heute nicht gefälscht werden (weil in meinem Buch erstmals die Hintergründe erklärt sind). Die sicherste Methode wäre die von den Japanern genutzte Kunstpolitur, bei der die Schmiedetechnik des Objekts analysiert wird. Dazu sind unsere „Fachkreise“ aber nicht einmal im Ansatz fähig. Selbst Auffälligkeiten in Form und Gestaltung sind bei der Vielfalt kein sicherer Nachweis. Der metallurgische Untersuch (ich habe in einem metallurgischen Labor gearbeitet) ist genauso ungeeignet und in Wahrheit ein riesiger Beschiss, um Geld zu machen. Dazu später mehr.
Wie Institutionen in diesem Fachbereich viel Geld verdienen
Stahl ist eines der wichtigsten Produkte der Menschheit und von den frühsten 2000 Jahren dieses extrem weitläufigen, sehr schwierigen Handwerks in Europa wissen wir bis heute kaum etwas. Es ist kein wirtschaftlicher Bereich. Sobald etwas „historisch“ ist, wird es vom „Kulturprozent“ der Steuergelder bezahlt. Die Institutionen haben das gesamthafte Monopol nicht nur auf die öffentlichen Gelder. Sie können jemandem durch einen Arbeitsvertrag zum offiziellen Experten für einen Fachbereich ernennen ohne, dass das Studium etwas mit dem Fachbereich zu tun hat oder Kompetenzen bestehen. In den letzten Jahrzehnten sind enorme Summen in die „Wissenschaft“ für diesen Fachbereich geflossen. Alleine im deutschsprachigen Raum müssten das unterdessen sicherlich (weit (?)) über 100 Millionen Euro sein. „Money for nothing“. Rückblickend auf die letzten 40 Jahre hatte ich nie das Gefühl, dass die Institutionen wissenschaftlich wirklich interessiert sind. Es geht um richtig viel Geld (das gezahlt wurde und man weiterhin haben will), um das Monopol, um Glaubwürdigkeit und Kompetenzen. Der Fachbereich wird eigentlich nur missbraucht.