Stähle aus Eisenerzen und ihre Strukturen
Stähle aus Eisenerzen erhalten ihre primäre Struktur bei der Aufbereitung des Rohstahls durch das mehrfache Falten und im Feuer Verschweissen. Dadurch entsteht eine ganz natürliche Maserung aus oxidischen Linien, welche die allgegenwärtige Struktur aller dieser Stähle ist. Weltweit. Es spielt keine Rolle, welches Erz, auf welchem Kontinent, zu welcher Zeit und von wem der Stahl hergestellt wurde. Das im Rennofen reduzierte Eisenerz setzt sich ohne die Schmelze zu erreichen schichtweise ab. Daher sind Materialunterschiede in diesem speziellen Stahl absolute Normalität. In der Folge wird noch erklärt, warum unterschiedliche Kohlenstoffgehalte bei den Maserungen eher nebensächlich sind. Sichtbare Materialunterschiede in den Schichten werden vor allem durch Verunreinigungen, poröse Stähle oder bei europäischen Artefakten besonders oft anzutreffen, unterschiedliche Reifegrade der Stähle. Im Gegensatz zu Japan weisen viele europäische Erze höhere Phosphorgehalte auf. Klar abgrenzende und deutlich sichtbare, grosszügige Strukturen, (hauptsächlich Torsionen) konnten unsere Vorfahren praktisch nur mit phosphorhaltigen Stählen erzeugen.
Wenn ein Stahl nicht in der Schmelze hergestellt wird, kann er trotz Schmieden und Feuerverschweissen porig bleiben. In der Schmelze kann ein solcher Stahl nicht entstehen. Viele klare und scharf abgrenzende Maserungen basieren auf geschlossenen und porigen/körnigen Stählen. Auch das ist weltweite Normalität für den im Rennofen hergestellten Stahl. Es gibt jegliche Kombination aus Verunreinigungen, Poren und höherem Phosphorgehalt. Kaum ein Rennstahl gleicht dem anderen.

Die Qualitäten des Rennstahls
Die Qualität eines Rennstahls zu bestimmen ist teils einfach, aber auch sehr trügerisch. Grundsätzlich ist ein guter Rennstahl geschlossen geschmiedet, hat wenig Verunreinigungen, hohen Glanz und die Oberfläche wirkt nass. Die Details im Stahl sind klar, brillant und kräftig, das betrifft besonders die Härteerscheinungen. Guter Stahl = kraftvolle Härtung. Bei den europäischen Stählen gibt es aber Schmiedetechniken, die dazu im Widerspruch stehen, weil die Schmiede sich bemüht haben, den jeweiligen Gebrauchswert maximal zu erfüllen. Der Fachbereich besteht nur aus „wenn“ und „aber“, das macht ihn so unglaublich schwierig.
Nebenstehend ist eine Saxklinge aus Eisenerzen abgebildet, die deutlich den hohen Glanz und diese nass wirkende Oberfläche zeigt. Der Stahl ist voller Strukturen, die aber in diesem Licht und Blickwinkel nicht zu sehen sind. Die Begutachtung einer Kunstpolitur muss gelernt sein. Man muss wissen, was man in einem jeweiligen Winkel sehen kann. Der Glanz und Lichtwinkel machen das Fotografieren besonders schwierig.



Oxidische Linien.
Der im Rennofen hergestellte Rohstahl kann nicht direkt verwendet werden. Es ist ein Vorprodukt, das erst aufbereitet werden muss. In Japan ist dies die hohe Kunst der Schmiede. Aus dem zentral für sie hergestellten Rohstahl, ist es ihre Arbeit, mit viel Schmiede- und Schweissarbeit eine möglichst hohe Stahlqualität herzustellen. Es war weltweit immer bekannt, dass der Rohstahl erst durch die Schmiedearbeit brauchbar wird. Allgemein kann man sagen, dass 8-13 Faltungen einen guten Stahl ergeben. Alles steht aber im Zusammenhang mit dem Kohlenstoffgehalt, der gekonnt gesteuert werden muss, um den Stahl härten zu können. Bei diesem Stahl war es grundsätzlich schon immer nötig, tausende feinste Schichten herzustellen, um einen guten Stahl zu erhalten.
Alle Klingen sind von mir aus Eisenerzen geschmiedet.





Diese weissen Linien können nur nach einer aufwendigen Kunstpolitur gesehen werden. Unseren Institutionen sind sie weitgehend unbekannt, weil man diese Strukturen bei den gebräuchlichen Untersuchungen im metallurgischen Labor nicht sehen kann. Ein weiterer Umstand, der zeigt, wie absolut rückständig unsere Wissenschaft in diesem Fachbereich ist. Diese oxidischen Strukturen können mehr oder weniger gut bei allen Rennstählen gesehen werden. Will man die Schmiedearbeit ergründen, sind diese weissen Linien die wichtigsten Informationsquellen. Sie zeigen, wie der Faltprozess durchgeführt wurde. Wenn man die Strukturen im Stahl sehen kann, sind wir beim nächsten Problem, den Stahl lesen zu können. Ohne Schmiedeerfahrung ist das nicht möglich.
Qualitäten von Rennstählen.
Es ist kaum möglich, in einem kleinen Absatz zu erklären, wofür andere Jahrzehnte lang studieren müssen. Zumindest können einige Anhaltspunkte genannt werden. Es gibt offen geschmiedete Rennstähle, deren Strukturen gut zu sehen sind. Geschlossene Strukturen sind besser, manchmal ist es in alten Stählen fast unmöglich, überhaupt eine Schmiedetextur ersichtlich machen zu können. Verunreinigungen sind natürlich auch als schlecht einzuteilen. Sie können den Stahl abdunkeln und zum Kontrast gegenüber sauberen Stählen werden. Schlacke ist Keramik, geschmolzener Stein, und bricht bei Beanspruchung. Durch diese feinen Risse kann Wasser einziehen (Kapillarwirkung), wird „gespeichert“ und es entwickelt sich Rost. Beim Polieren des Stahls entwickelt sich frischer Rost meist zuerst in den Verunreinigungen. Stähle mit höherem Phosphorgehalt erscheinen weisslich und rosten wie andere Stähle.
Die sagenumwobenen eiserne Säule von Delhi, steht seit Jahrhunderten im Freien und rostet praktisch nicht. Es bildet sich in erster Linie eine schwarze Patina. Man hat das mehrfach untersucht und versucht zu erklären. Ohne Qualifikation im identischen Schmiedehandwerk, hat man einfach die speziellen Eigenschaften, Phosphorgehalt und Verunreinigungen als Begründung genommen. Es wird behauptet, die Schlacke im Stahl bilde eine Schutzhaut, die zusammen mit dem Phosphorgehalt Rost verhindert. Diese Eigenschaften sind aber nichts Spezielles und treffen auf viele Rennstähle zu, die rosten. Es ist eine recht blödsinnige Begründung mit enormen Denkfehlern. Durch die identische Schmiedearbeit konnte ich die wahren Hintergründe definieren. Es wird Generationen dauern, bis das von den Theoretikern verstanden werden kann. Tolle Sache, weil der Steuerzahler bis dahin alle Rechnungen bezahlen wird.

Schwieriger einzuteilen sind die Farbe des Stahls, und die Qualität der Matrix, die bei der Politur ersichtlich wird. Im metallurgischen Untersuch ist das bei diesem sehr speziellen Stahl kaum möglich. Abgesehen davon, dass die Qualifikation fehlt und die Zusammenhänge weitgehend unbekannt sind, ist der metallurgische Untersuch nicht das geeignete wissenschaftliche Werkzeug für Rennstähle. Die hochqualifizierten, absolut fähigen japanischen Experten verwenden dafür seit Jahrhunderten die Kunstpolitur. An dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich jahrelang in einem metallurgischen Labor gearbeitet habe und die für historische Stähle relevante Metallurgie und Untersuchungsmethoden kenne. Die Informationen sind gegen eine Kunstpolitur eher lächerlich.
Im nebenstehenden Bild ist ein deutlicher Farbunterschied zwischen den beiden Klingen zu sehen. Die obere, mit Wellenlinien-Härtung, ist eine Versuchsklinge, die ich vor ca. 34 Jahren geschmiedet habe. Nicht als Betrug, wie es in den letzten Jahrzehnten von Schmieden gemacht wurde, sondern als Experiment habe ich Nägel in einem Rennofen zu einem „Rohstahl“ verschweisst. Aus diesem Industriestahl, der wie eine Luppe aus Eisenerzen aussieht, habe ich dann wie immer gefaltet und diese Schwertklinge von schlechter Qualität geschmiedet.


Der Stahl aus den Nägeln ist grundsätzlich schlecht, aber immer noch weit über der Qualität einer Klinge, die praktisch direkt aus einer Luppe hergestellt wurde. Der Stahl ist dunkel, matt, trocken, spröde, ohne Brillanz, die Details sind „schlafend“, müde und der Übergang der Härtung ist eher ein dunkler Strich als weisse Wolken. Die Härtung wird bei Belastung brechen, sie ist spröde. Weil in den Nägeln aus Industriestahl natürlich Legierungselemente enthalten waren, musste die Härtung abrupt mit einer dicken Lehmschicht gestoppt werden (in gesamter Wellenform). Je nach Legierungselementen hätte sonst die gesamte Klinge gehärtet. Einige von denen, die seit Jahren behaupten, aus Eisenerzen zu arbeiten, haben einfach Industriestahl im Rennofen aufbereitet, der natürlich meist auch Legierungselemente aufweist. Daher wussten sie nichts von der bedingten Härtbarkeit des Stahls, wenn er wirklich aus Eisenerzen hergestellt wird. Der Fachbereich besteht nur aus Betrug. Wenn keiner Ahnung hat, funktioniert das sehr gut.
Polituren, der Untersuch von Rennstählen.
Der Untersuch von Rennstählen, vor allem die Werke unserer Vorfahren, ist sehr schwierig. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, aus Eisenerzen ein Objekt herstellen zu können. Die verwendeten Techniken in Europa sind ein vielfaches mehr, als sie zum Beispiel in Japan verwendet wurden. Die meisten Verfahren sind aber heute noch unbekannt und können somit nicht erkennt werden. Nur durch enorme Erfahrung im identischen Handwerk, können durch Experimente Nachweise geschaffen werden, die mit den Originalen vergleicht werden können. Dadurch kann der gesamte Verlauf in einer Klinge begutachtet werden, was enorm wichtig ist. Kunstpolituren sind ein aufwendiges Kunsthandwerk um den geschmiedeten Stahl ersichtlich zu machen, darzustellen und durch die feinen Oberflächen wird der Stahl auch rostresistenter. Die Arbeit besteht darin, die feinen Strukturen ganz flächig herauszuarbeiten.
Die primäre Maserung von historischen Stählen sind die oxidischen Linien, die bei der Weiterverarbeitung des Eisenschwamms (Luppe, Tamahagane) ganz natürlich entstehen. Rechts zu sehen ist ein von mir sehr geschlossen geschmiedeter Stahl, direkt aus Eisenerzen. Es ist ein grosser Aufwand, um die Strukturen ersichtlich zu machen. Mit ätzenden Mitteln ist dies nicht möglich. Die Kunstpolitur ist die effektivste Untersuchung solcher Stähle. Europäische Stähle sind besonders schwierig zu verstehen. Es gibt sehr viele, teils noch unbekannte Techniken, die ohne handwerkliches Verständnis nicht erkannt werden.

Wichtiges Fazit.
Dieser Fachbereich besteht leider hauptsächlich aus inkompetenten „Experten“. Ohne wirkliches wissenschaftliches Interesse. Es ist einfachste Logik, dass Personen, welche das Schmiedehandwerk von Eisenerzen bis hin zur fertigen gehärteten Klinge auch beherrschen, darüber Erklärungen abgeben sollten. Die Wissenschaft basiert auf Fakten, die in diesem Falle nur durch das identische Handwerk erbracht werden können. Was jetzt erst langsam verstanden wird, versuche ich unterdessen seit 35 Jahren aus dem Handwerk erfolglos den Fachkreisen begreiflich zu machen. Ich habe immer dieselbe Erfahrung gemacht. Die Zusammenhänge, die im täglichen, identischen Handwerk eine sehr wichtige Rolle spielen, wurden von Personen, die mit Eisenerzen absolut nichts anfangen können, vehement dementiert. Nicht aus wissenschaftlicher Sicht, die sie nicht erfüllen können, nur aus persönlichem Eigennutz. Wichtigste Fakten hat man nachweislich jahrzehntelang übersehen und wer wirklich Ahnung von dem Handwerk hat, der wurde von dem theoretischen Personal abgewiesen. Weil sie eigentlich eher nur unverständlich danebenstehen, ohne Bezug zur handwerklichen Realität.