www.schwertschmiede.ch von Volker Hollmann

Wurmbunt

Die aufwendigste europäische Schwertschmiedekunst stammt aus dem frühen Mittelalter und war im gesamten europäischen Raum verbreitet.

In diesen Klingen wurden bewusst, verdrehte Stäbe aus unterschiedlichem Material, in die Klingen eingearbeitet.

Gemessen am gesamten antiken, europäischen Schwertbestand sind es nur sehr, sehr wenige Klingen, in welchen verdrehte Stahlstäbe sichtbar eingeschmiedet wurden.

Das Verhältnis der Raffinierstähle und dem Vorkommen dieser Torsionsklingen liegt vermutlich bei 1: 1000 oder noch geringerer.

Diese Technik wurde nur wenige Jahrhunderte verwendet und muss als die ausserordentlichste betrachtet werden.

Solche zeitlich begrenzten Herstellungsverfahren, die aufkommen und wieder in Vergessenheit geraten, gab es während der gesamten europäischen Schwertkultur.

Die Torsionsklingen, sind durch die prunkvollen Torsionen von dem restlichen Bestand deutlich zu unterscheiden sind, galten immer als Referenz für den Damaszenerstahl.

Diese Klingen wurden in verschiedenen Werkstätten hergestellt, mit unterschiedlichen Materialien.

 

Schematische Härteverhältnisse in Torsionsklingen

 

Klassischer Damaszenerstahl.

Alles schwarze ist hart, weiss ist weich.

Das sieht sicherlich gut aus, mit den Originalen hat das aber nichts gemeinsam.

Bisher wurden solche aus Industriestahl herstellten Werke als „traditionell geschmiedet“ veröffentlicht und ausgestellt.

Dies ist eine falsche Darstellung traditioneller, europäischer Schwerter.

Härteverhältnisse im traditionellen Rennfeuerstahl.

Nur der schwarze Bereich, der Schneide entlang, ist gehärtet.

Der restliche Klingenkörper weist keine Härtung auf.

 

Es gab keine einheitliche Technik um ersichtliche Torsionen in einem Schwert herzustellen.

Es wurde jede Möglichkeit genutzt um einen Effekt zu erzielen.

Eingeschmiedet wurde phosphorhaltiger Stahl, welcher aber die Festigkeit der Klinge nur gering erhöht.

Auch eingeschmiedete Stähle mit einem sehr hohen Kohlenstoffgehalt sind zu finden, oft ist der Stahl von minderer Qualität und hat nur das Muster als Funktion.

Die Torsionen geben dem Schwertkörper meist keine zusätzliche Festigkeit.

Diese wirklich kunstvoll hergestellten Klingen sind Meisterwerke, nicht nur wegen der Torsionen, sondern auch in Stahlqualität und Verarbeitung. Die wussten was gute Stahlqualität ist.

Viele Stähle welche als Komponente zur Erzeugung von Torsionsbildern verwendet wurden, sind von schlechter Qualität.

War es ein „Modetrend“, „Stil“ oder „Qualitätszeichen“?

Da auf verschiedene Weise, ohne Zusammenhang für mechanische Vorteile, diese Torsionen erzeugt wurden,

muss da doch noch etwas anderes eine Rolle gespielt haben.

Genau genommen, ist das einzige Harte an diesen Klingen, die dünnen Härtelinie entlang der Schneiden.

Mit solch weichen Schwertern zu kämpfen, da müssen unsere Vorfahren lebensmüde gewesen sein.

Ich weiss, dass sie es nicht waren. Das interessiert aber niemanden.

Das steht alles in einem ganz anderen Zusammenhang und hat nichts mit Damaszenerstahl und fertigem Industriestahl zu tun.

Dank der naiven Damaszenerstahl Auslegung, einfach hart und weich, hat keiner eine Ahnung vom tatsächlichen Handwerk unserer Vorfahren und ihren Lösungen.

Viele Damaszenerstahlschmiede sind zur Zeit mit ihren Erstlingswerken aus Rennfeuerstahl beschäftigt.

Grosse Geistesblitze darf man da nicht erwarten, man muss erst lernen mit diesem Material umzugehen.

Um es zu verstehen, benötigt man Jahre.

Ausserdem darf man nicht vergessen, es sind  die selben „grossen Leuchten“, welche jahrzehntelang nicht  den traditionellem Rennfeuerstahl von modernem Industriestahl unterscheiden konnten.

Viele Fragen sind noch offen und werden noch lange unbeantwortet bleiben.

Die haben gerade den Schritt aus dem Damaszenerstahlzeitalter ins Rennfeuerzeitalter geschafft.

Rennfeuerstahl ist ein sehr schwieriges Thema (siehe Japan), bei uns hat man sich nie bemüht, deswegen diese  naive hart– weich Lösung.

Es gibt Institutionen welche einen öffentlichen Auftrag für diesen Fachbereich haben. (!!)

 

RichtigFalsch

Aus „Cultura Martialis“, Hollmann, 2006

Die selbe, oben gezeigte Klinge stand ein Jahrzehnt lang in einer Ecke meiner Werkstatt. Bereits 2006 wurde sie von mir in „Cultura Martialis“ veröffentlicht. Der Rost beginnt die selben Zeichnungen wie in den historischen Bodenfunden zu bilden.

Das unreine rostet zuerst.

 

Diese Klinge wurde vor fast zehn Jahren von mir geschmiedet und aufgrund des plötzlichen Bedarfs, jetzt poliert.

Sowohl Schmiedetechnik wie auch der Stahl entspricht alter Traditionen und auch die Politur der Klinge (Ersichtlichkeit) wurde mit Mitteln erstellt, welche im Mittelalter in Europa bekannt waren. (keine Ätzung)

Man könnte meinen ein wahres Meisterstück, welches vermutlich erstmals das wahre Aussehen der in den Museen ausgestellt antiken Originale zeigt.

Zu glauben, wer so mit Eisenerzen umgehen kann, ist am schmiedetechnischen Höhepunkt. Irrtum!

Für mich war diese Klinge der Anfang von zehn weiteren Jahren Forschung und Experimentieren.

Die Geschichte der traditionellen Stahlherstellung (800 v. Chr.- 1900 n. Chr.) geht viel weiter als man sich vorstellen kann. 

Man stelle sich vor, 2700 Jahre Erfahrung in der Herstellung von Stahl aus Eisenerzen.

Während dieser langen Zeit gab es unzählige Versuche unserer Vorfahren um dem Stahl bessere Qualitäten zu entlocken, ein riesiger Spielplatz für einen Schmied.

Da man sich erst jetzt für Rennfeuerstähle interessiert, bekommen Anfänger, von Anfängern Unterweisungen.

Dadurch wird die öffentliche Vorstellung dieses faszinierenden Materials und seiner Möglichkeiten, niedrig gehalten. Schade.

Es sind nur die ersten Seiten eines dicken Buches.

Dies zu begreifen ist sehr schwierig, da man sich erst jetzt aus der kleinen Welt des einfachen „schwarz- weiss“ des Damaszenerstahls, in die komplizierte Realität des Raffinierstahls entwickelt hat.

Seit vielen Jahren gibt es bereits polierte europäische Originale. Sie alle haben eine Härtelinie und sind ansonsten weich.

Das hat  die Fachwelt nicht beachtet. Da liegen die Originale total ersichtlich auf dem Tisch und die Experten erzählen von harten und weichen Schichten die in keiner dieser Klinge zu entdecken ist. 

Kaum einer hat eine Ahnung, jeder aber eine wichtige Meinung.

In diesem eigentlich sehr wichtigen Fachbereich läuft  schon seit vielen Jahren alles schief und es geht gnadenlos weiter.

Ungeachtet der Artefakte in den Museen und den vielen alten Schriften welche von der hart- weich Imitation des orientalischen Schwertstahls berichten. 

Übrig geblieben aus meiner Schmiedezeit sind kistenweise unterschiedlichste Rennfeuerstähle, welche viele der weltweit verwendeten Techniken nachweisen. Egal, wen interessiert das schon.

Torsionsklinge geschmiedet, gehärtet und grob vorgeschliffen um 2000, von V. Hollmann.

Fertiggestellt 2010.

Polierte, ersichtliche Originale gibt es unterdessen auch schon seit einem Jahrzehnt. Die Fachwelt kennt diese Klingen!  Sind aber unfähig zu erkennen, dass dies kein Damaszenerstahl ist. Was hat eine orientalische Stadt (Damaskus) mit unseren Schwertern zu tun?  Nichts!

Unterdessen ist in der Fachwelt alles Damaszenerstahl, macht die Sache einfach. Der Laie merkt doch nicht, dass es ein ganz anderer Fachbereich ist.

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