www.schwertschmiede.ch von Volker Hollmann

Die Verwendung von Lehm bei der Härtung Teil 3

Aus den Mittelwertanalysen geht hervor, dass Rennfeuerstahl ein Kohlenstoffstahl ohne Beimengungen anderer Legierungselementen ist und eine entsprechend geringe Durchhärtung besitzt.

Japanische Schwertschmiede tragen vor der Härtung eine Lehmschicht auf ihre Klingen auf.                                                                                                               Aus der Sicht des Laien wird dies gemacht, um die Härtung zu stoppen und eine abgesetzte Härtung zu erhalten. Das ist falsch.                                                        

Dünne Lehmschichten erhöhen die Durchhärtung, dicke Lehmschichten wirken isolierend und stoppen die Härtung. Eine dünne Lehmschicht vergrössert die Oberfläche durch seine Unebenheit, ausserdem bleibt das Wasser im Lehm viel stärker „hängen“, blanker Stahl entwickelt Blasen welche isolieren und dadurch verzögert sich die Abkühlung.

                                                                          

 

 

 

 

Frei übersetzt:

Dünne Lehmschichten wirken nicht gegen die Härtung, sondern erhöhen diese noch beträchtlich.

Dickere Lehmschichten hingegen wirken isolierend und stoppen die Härtung.

Auf Bild 78 ist gut zu sehen, wie gleichmässig dünn die Lehmschicht auf der Flanke der Schneide verteilt wird.

Eine dickere Lehmschicht wird nur auf dem viel dickeren Rückenteil angebracht, wie im Bild 80 und 81 zu sehen ist.

An der Schneidenflanke, in Höhe der resultierenden Härtelinie ist keine, die Härtung stoppende, dickere Lehmschicht angebracht!

Direkt auf diese gleichmässig dünne Lehmschicht werden die dickeren Striche angebracht.

Nach oben hin wird eindeutig nicht mit einer dickeren Lehmschicht die Härtung verhindert.

Wie bei Bild 82 und 83 erklärt wird, zeigt der Verlauf des Trocknens der Lehmschicht, den späteren Härteverlauf des Stahls an.

Man sieht ganz klar, dass da keine weitere dickere Lehmschicht angebracht ist, welche ein höheres Härten verhindern soll.

Da die Härtbarkeit dieses Stahles begrenzt ist, lässt man sie einfach auslaufen.

Die einzigen dickeren Lehmschichten an den Flanken sind die Lehmstriche.

Diese werden dann in der resultierenden Härtung auch sichtbar.

Zweck dieser Striche ist die Reduktion der Spannungen, welche bei einer solchen starken Härtung entstehen.

Diese Weise des Lehmauftrags ist sehr gebräuchlich und kann bei vielen japanischen Schmieden beobachtet werden.

Dieses Diagramm zeigt die Geschwindigkeit der Abkühlung von Stahl, wenn er mit unterschiedlich dicken Lehmschichten überzogen ist oder der blanke Stahl abgeschreckt wird.

Die punktierte Linie ist die Abkühlrate von blankem Stahl

Die gestrichelte Linie ist die Abkühlrate von Stahl, der mit einer dünnen Lehmschicht überzogen ist.

Ergebnis:

Ein Stahl, der mit einer dünnen Lehmschicht überzogen ist, ist bereits innerhalb einer Sekunde abgekühlt.

Ohne diese Lehmschicht braucht der blanke Stahl 2,5 Sekunden um abzukühlen.

Ergebnis:

Eine dünne Lehmschicht erhöht die Härtung enorm.

In diesem Diagramm wird die Wärmeübertragung dargestellt.

Im Bereich von 800 °C – 400 °C  findet die Härtung des Stahls statt, dies ist der wichtigste Temperaturbereich.

Die punktierte Line des blanken Stahls zeigt nur eine gering Wärmeabgabe in diesem Bereich. Bei 400°C – 0°C ist der Wärmeabfluss dafür sehr gross.(40000 W (m2K))

Die dünne Lehmschicht vermag im Bereich von 400°C- 800 °C am meisten Wärme abzuführen.

Ergebnis: Eine dünne Lehmschicht vermag im kritischen Härtebereich von                400°C- 800°C viel mehr Wärme abführen und entwickelt dementsprechend eine bessere Härtung

 

 

Diese von mir hergestellte Klinge hatte die selbe Lehmzeichnung wie auf Bild 84 + 85 zu sehen ist.

Resultierend ist diese Härtelinie.

Die Härtung habe ich nach oben hin nicht gestoppt! Ein natürliches Bild des Härtevermögens dieses Stahls.

 

„The japanese sword“ aus dem Internet.

Diese wissenschaftliche Untersuchung behandelt die Zusammenhänge von Lehmschichten und ihre Wirkung auf die Härtung von Raffinierstählen.

Auszug aus Yoshindo Yoshihara, „die japanische Schwertschmiedekunst“.

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