Neu                                                                                      9.07.2013

Der Stahl ist weltweit das wichtigste Produkt der Menschheit. Eine schrittweise Wende in der Geschichte der Stahlherstellung geschah vor etwa 200 Jahren, als der moderne Industriestahl entwickelt wurde und die industrielle Revolution begann.

2600 Jahre lang konnte man in Europa lediglich Stahl  bis zu einer Dicke von etwa 4 mm härten, mit dem neuen, legierten Industriestahl konnte plötzlich jede Dimension gehärtet werden. Erstmals konnten Maschinen hergestellt und damit grosse Energien übertragen werden. Durch die Entwicklung des modernen, legierten Industriestahls entstanden Fabriken und Industrien, es war der Beginn der industriellen Massenfabrikation. Natürlich verursachte diese explosionsartige Entwicklung gesellschaftliche Umstrukturierungen. Die Kluft zwischen arm und reich wurde grösser, es bildete sich eine Bevölkerungsschicht von Fabrik- und Industriearbeitern. Aufgrund der immer grösser werdenden wirtschaftlichen Ungerechtigkeit entstand zum Beispiel auch der Kommunismus. Im kommunistischen Manifest werden die Kapitalisten angeprangert, die Maschinen installieren und dann Arbeiter anstellen um sie auszubeuten.

Auch der Begriff „Industrienation“ entwickelte sich direkt aus den neuen Stahlherstellungsverfahren und der Menge des hergestellten Industriestahls.

 

Über die Neuzeit der Stahlherstellung und die unglaublich rasante Weiterentwicklungen wissen wir sehr viel. Von den 2700 Jahren europäischer, vorindustrieller Stahlherstellung, ist erschreckend wenig bekannt. Einer der Hauptgründe ist sicherlich, dass die vorindustrielle Stahlherstellung keinerlei wirtschaftlichen und auch wissenschaftlichen Wert mehr besitzt.

 

In den Jahren 2009/2010 konnten durch diese Website grosse fachliche Fortschritte gemacht werden.

So unscheinbar meine Website erscheinen mag, sie hat das Wissen der Stahlherstellungsgeschichte weltweit revolutioniert. Der Damaszenerstahl aus Industriestahl, ist als historische, europäische Stahlherstellung fast verschwunden. Viele Grundsätze über historische Stähle wurden aus dieser Website als „neuste wissenschaftliche Erkenntnisse“ von der Fachwelt übernommen. Trotz des grossen Erfolges darf man nicht vergessen, dass sehr viele Jahre sinnloser Kampf nötig waren, um in diesem sehr wichtigen, wissenschaftlichen Ressort Fortschritte erzielen zu können.

 

Die wichtigste meiner Aussage ist die, dass die historische, europäische Schmiedekunst identisch mit dem Handwerk heutiger, japanischer Schwertschmiede ist. Dieser Zusammenhang war für die Fachwelt neu. Viele einfache Zusammenhänge und Grundsätze wurde erstmals durch diese Website veröffentlicht.

 

Die folgenden Erörterungen sind ein neuer, sehr brisanter Teil der Stahlgeschichte, für mich ist es altes Wissen.  Es benötigt nur etwas Zeit und den gesunden Menschenverstand, um sich selbst über die Richtigkeit meiner Erläuterungen ein Urteil zu bilden. Entsprechende Informationen sind leicht zu finden und weit verbreitet. Mit diesem Bericht möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die historische Stahlherstellung im gesamten Kontext weltweit gesehen werden muss, weil vieles in direktem Zusammenhang steht.

 

Wie der europäische Rennofen in Japan eingeführt wurde (1543)

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten um aus Eisenerzen Stahl zu produzieren, entsprechend vielfältig sind die resultierenden Stahleigenschaften. Jeder historische, vorindustrielle Stahl ist dem heutigen, legierten Industriestahl weit unterlegen. Von der Möglichkeit durch Legieren sehr unterschiedliche Eigenschaften im Stahl herzustellen, konnten unsere Vorfahren nur träumen.

Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten hat man in den tausenden von Jahren der historischen Stahlherstellung versucht die Qualitäten positiv zu verändern.

Die beiden ältesten und am längsten hergestellten historischen Stahlsorten sind der Rennofenstahl und der Wootz. Der Rennofenstahl ist der älteste und meist verbreitete vorindustrielle Stahl weltweit.  Alle historischen Stahlsorten wurden mit den selben Materialien hergestellt: Eisenerz, Holzkohle, Stein, Feuer, Wasser, Lehm und Luft.

 

Stahl muss aus Eisenerzen hergestellt werden. Entsprechend ist der wichtigste Faktor das angewendete Verfahren und an zweiter Stelle steht die Sorgfalt und die Beherrschung der Prozesse. Sind die verwendeten Materialien von guter Qualität, so muss deren Eigenschaften in den Prozessen berücksichtigt werden, ansonsten spielen sie eine eher untergeordnete Rolle in der Stahlherstellung. Die bekanntesten antiken Methoden zur Stahlherstellung aus Eisenerzen ist der Rennofenstahl und der Wootz. Es existierte jedoch noch eine weitere heute unbekannte Stahlherstellungstechnik. Sie unterscheidet sich sowohl im Aussehen wie auch in den Eigenschaften vom Rennfeuerstahl und dem Wootz: Die alte japanische Schmiedekunst aus der Koto-Zeit. Sie endete um 1600 und geriet in Vergessenheit. Alle drei vorindustriellen Verfahren bestehen aus den gleichen Voraussetzungen und verwendeten Rohmaterialien und trotzdem sind es am Ende drei sehr unterschiedliche Stahltypen mit eigenem Charakter.

 

Kenner und Sammler von japanischen Schwertern interessieren sich hauptsächlich für die alten Schwerter, welche in einem Zeitabschnitt hergestellt wurden, den man als Koto bezeichnet. 1596 endete diese Ära und mit ihr eigentlich auch die grosse Zeit der Samurai.

 

 

 

 

 

Durch die Politur der Klingen lässt sich die Differenz der Stahlstruktur und Farbe von japanischen Schwertern von vor 1600 und denen, welche danach hergestellt wurden, unterscheiden. Die japanischen Fachkreise bestätigen diese Zusammenhänge schon immer, entsprechend kann von einem grossen Geheimnis nicht die Rede sein. Hier seien nur einige wenige Zitate aufgeführt, welche die Unterschiede von Schwertern und deren Herstellung aus der Koto- und Shinto– Zeit beschreiben.

 

The Craft of the japanese Sword, Yoshihara,Kapp, englisch, S 40, unten:

Frei übersetzt:

Die charakteristische Stahlfarbe und Textur des Stahls von Klingen, welche in der Kotozeit hergestellt wurden,

sind dunkel Grau, während Klingen, welche in Shinto oder Shin-shinto Zeiten hergestellt wurden, glänzender sind.

 

The Craft of the japanese Sword, Yoshihara,Kapp, englisch, S. 23 , Shinto:

Frei übersetzt:

Die Klingen aus Shinto– Zeiten sind heller und glänzender, die Textur des Stahls ist different zu Schwertern

aus Koto-Zeit. Vermutlich hänge dies mit dem verwendeten Erz oder neuen Schmiedetechniken zusammen.

 

The Connoisseur`s of the japanese Sword,  Kokan Nagayama, englisch, S. 309, links unten : 

Frei übersetzt: 

Die Härtelinie eines japanischen Schwerts ist so individuell wie ein menschliches Gesicht,

es ist der schwierigste Teil der Schwertschmiedearbeit. Die gehärtete Spitze ist eine direkte Reflektion

des Schmiedes, der sie herstellt. Allgemein, Koto (Klingen welche vor 1596 hergestellt wurden) haben

mehr Aktivitäten in der Härtung der Schwertspitze als Shinto (Klingen welche nach 1596 hergestellt wurden), 

so ist es möglich alleine an der gehärteten Spitze zwischen Koto und Shinto unterscheiden zu können.

 

The Connoisseur`s of the japanese Sword, Kokan Nagayama, englisch, S. 226, links : 

Frei übersetzt:

In  der Shinto Periode arbeiteten manche Schwertschmiede weiterhin in der Koto Technik, andere übernahmen

eine neue Schmiedetechnik, welche in Koto Zeiten noch nicht bekannt war. 

   

The Connoisseur`s of the japanese Sword, Kokan Nagayama, englisch, S. 346,Shinto: 

Frei übersetzt:

In der Shinto Zeit wechselten alle Schwertschmiede ihre Verfahren aus der Koto Zeit zu einer neuen Schmiedetechnik, der Shinto tokuden Tradition.

 

Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde in Japan offensichtlich die alte Schmiedekunst von einer neuen Stahlherstellungstechnik abgelöst. Sehr schnell geriet das Wissen um die alte Schmiedekunst in Vergessenheit und wurde bis heute nicht wiederentdeckt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Umfeld in den Wechseljahren von Koto zu Shinto

Von 1477 bis 1573 wütete in  Japan ein fast 100 jähriger Bürgerkrieg. Er wird als "Zeit der kämpfenden Reiche oder Länder" bezeichnet. Es gibt sehr unterschiedliche Darstellungen der damaligen Geschehnisse, daher möchte ich mich hauptsächlich auf die wichtigsten Fakten beziehen, welche in den meisten Dokumenten übereinstimmen. Ausschlaggebend für den Wechsel der historischen, japanischen Schmiedekunst war die Ankunft der ersten Europäer in Japan im Jahr 1543. Die drei portugiesischen Kaufleuten/ Deserteure/Abenteurer (Antonio da Mota, Francisco Zeimoto, Antonio Peixoto), waren auf dem Weg nach China, überrascht von einem Unwetter strandeten sie an der japanische Küste. Mitten im hundertjährigen, japanischen Bürgerkrieg betraten die ersten Europäer die japanische Insel. Die vielen unbekannten Handelsgüter, welche diese drei Portugiesen mitbrachten, erzeugten grosses Interesse unter den Japanern.

 

Was jedoch die sich im Krieg befindlichen  Samurai am meisten interessierte, waren die

unbekannten Waffen, welche diese Fremden mitbrachten: Luntenschlossgewehre.

Eine einfache Bauweise, bei der eine brennende Lunte über einen Abzug betätigt wurde und

den Schuss auslöste. Pulver und Kanone waren aus China längst bekannt, eine solche

handliche und treffgenaue Abschussapparatur wie die der Portugiesen war jedoch unbekannt.

Für eine Kriegerkaste, die sich seit Jahrzehnten im Krieg befand, war dies vermutlich

die absolut grösste Offenbarung. An dieser Stelle der Geschichte findet man in den Schriften

unterschiedliche Darstellungen. Manche Quellen sprechen davon, dass die Portugiesen ihre

Arkebusen als Geschenk den Japanern überreicht haben, andere geben an, von japanischer

Seite sei viel Geld für diese bezahlt worden. Übereinstimmend wird jedoch ausgesagt, dass

man den japanischen Handwerkern sofort den Befehl  erteilt hat, diese Gewehre (Arkebusen)

zu kopieren. Die japanischen Handwerker konnten angeblich keine Kopien herstellen. Meist

werden als Grund der Probleme die Herstellung des Federmechanismus genannt.

 

 

Ein Auszug aus dem Buch von Noel Perrin, Givin Up the Gun: Japan`s Reversion to the Sword, 1543-1879, Seite 6, unten.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Nachweis über die Richtigkeit dieser Geschichte ist sehr einfach und schlüssig zu erbringen. Sind in Japan Stahlfedern vor der Ankunft der ersten Europäer zu finden, so ist diese Geschichtsdarstellung falsch. Kann man erst nach 1543 die ersten Stahlfedern an den Arkebusen nachweisen, so ist die Darstellung der damaligen Verhältnisse wahrscheinlich. Seit über einem Jahrzehnt achte ich auf diese Gegebenheiten, bisher habe ich keine Koto– zeitlichen Federn entdecken können. Aus meiner Erfahrung in der Stahlherstellung im Rennofen und dem alten japanischen Koto– Herstellungsverfahren, ist es für mich sicher, dass bis zur Ankunft der Portugiesen die Herstellung von Stahlfedern in Japan nicht möglich war. Es ist die Natur der Dinge, dass unterschiedliche Herstellungsverfahren unterschiedliche Produkte erzeugen. Aus Rennofenstahl und Wootz lassen sich sehr einfach Stahlfedern herstellen, der alte japanische Koto-Stahl ist für die Federherstellung nicht geeignet.

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Die japanischen Schwerteinteilungen: 

Kotō = 古刀, alte Schwerter, Mitte Heian Periode ( 794– 1185) bis 1596    Shintō = neue Schwerter, bis 1781    Shinshintō = neue neue Schwerter, bis 1876   Gendaito= modernes Schwert, bis heute

Frei übersetzt :

Der Fürst Tokitaka übergab seinem höchsten Schwertschmied Yatsuita Kinbei die erworbenen Arkebusen mit dem Auftrag, Kopien herzustellen. Yatsuita konnte den Federmechanismus nicht herstellen. Einige Monate später gab er einem portugiesischen Kapitän seine Tochter im Austausch für Instruktionen seines Waffenmeisters (sicherlich ein Schmied) zur Herstellung von Arkebusen.

 

Aus Das Samuraischwert,

Yohn M. Yumoto,

S.97, Kapitel 5, Herstellung des Schwertes

 

Auf der Zeichnung rechts sind sämtliche Einzelteile des Zündmechanismus einer solchen Arkebuse aufgezeichnet. Es sind einfache Teile, welche keine grossen Ansprüche an die hochqualifizierten, japanischen Handwerker stellten. Das einzige metallurgisch anspruchsvolle Teil ist die Feder.     

Über die Herstellung von Federn

Bild unten: Arms and Armour of the Samurai , I.Bottomley und A.P. Hopson

Zündmechanismus einer Arkebuse

 

Mit der Kraft der Feder wird die brennende Lunte zum Pulver geführt. Mit einer kleinen Bewegung am Abzug löst man die gespannte Feder aus, welche dann die Arbeit leistet. Jeder Schütze wird Ihnen bestätigen, dass ohne diese Mechanik keine präzise Schussabgabe  möglich ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Tanegashima-Arkebuse

Die selbe Darstellung der damaligen Geschehnisse finden Sie auch in den Büchern:

-Arms and Armour of the Samurai , I.Bottomley und A.P. Hopson, S. 124, Kapitel 6.

-Samurai, Clive Sinclaire, S. 129, Kapitel 7.

Linkes Bild: Roh- Koto-Stahl.

Obwohl die Stücke bereits von hoher Güte sind und bereit für die Herstellung von Klingen, zeigen die Ränder ein „morsches“ aufbrechen.

Rechtes Bild: moderne Federn. Solche Federn, hergestellt aus dem Koto– Stahl würden bei Belastung sehr schnell erlahmen und zerbrechen. Müsste ich eine Umschreibung abgeben, so würde ich das Federverhalten des Koto– Stahls als „in sich selbst zermürbend“ beschreiben. Schon beim Schmieden des Koto– Stahls ist ein Unterschied in Dehnbarkeit und Formbarkeit gegenüber dem Rennofenstahl gut zu erkennen.

Über die Herstellung von Federn

Zusammenfassend:

Die Portugiesen haben 1543-44 nicht nur die einfache Wärmebehandlung zur Herstellung von Federn in Japan einführt, sondern eine neue Methode zur Stahlherstellung aus Eisenerzen - das europäische Rennofen Verfahren. Eine Stahlherstellung, welche nachweislich bis Dato in Japan unbekannt war. Der europäische Rennofen besitzt viele Vorteile gegenüber der alten, japanischen Koto-Stahlherstellungstechnik. Entsprechend schnell wurde das europäische Verfahren übernommen und löste die alten  Verfahren ab. Erst wurde „Namban– Stahl“, -„Südbarbaren- Stahl“ aus Europa eingeführt. An den Schwertangeln wurde das, auch als „Namban-Tetsu“, „hergestellt aus Südbarbaren- Stahl“, eingraviert. Nach Beendigung des japanischen Bürgerkrieges 1573 hatte sich der europäische Rennofenstahl langsam durchgesetzt und die Japaner stellten selbst diesen Namban-Stahl im Rennofen her. („Rennofen“ in japanisch :„Tatara– Ofen“) Diese Tradition besteht heute noch. Seither arbeiten japanische Schwertschmiede ausschliesslich mit „Namban-Stahl“. Zur selben Zeit endete auch die Ära der grossen Samurai. Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich, dass kein heutiger traditioneller, japanischer Schwertschmied Schwerter herstellen kann, wie sie in der gesamten, grossen Zeit der Samurai verwendet wurden. Deshalb sind die heutigen japanischen Schwertschmiede die einzigen professionellen Schmiede in der Herstellung von Blankwaffen mit dem (eigentlich) europäischen Rennofenverfahren.

 

Ein Beispiel aus:

Planet Portugal:            

Portugiesisch– japanisch

Ziemlich schnell kommen sie mit den verschiedensten Produkten und Techniken der damaligen Zeit in Verbindung, die ihnen bis dahin unbekannt waren, sei es z.B. in der Verarbeitung von Metallen, im Schiffsbau oder in der Navigation.